Unterwegs sein zwischen gestern und morgen ist etwas, was zur menschlichen Existenz gehört. Das ist jeden Tag so.
Für junge Menschen scheint die Zeit oft nicht schnell genug zu vergehen, kann das Morgen oft nicht schnell genug kommen. Man wartet darauf: älter zu werden, mit der Schule oder Studium fertig zu sein, endlich sein eigenes Leben aufzubauen.
Ältere Menschen bleiben gerne bei Erinnerungen. Sie wehren sich oft gegen Veränderungen, ja, sie können manche Veränderungen gar nicht mehr verstehen. Ihnen wird oft bange vor dem, was auf sie zukommt.
Obwohl sie manchmal an den Spruch denken: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“.
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Seine Zukunft vertrauensvoll in Gottes Hand zu legen ist eines der bedeutendsten Themen der Bibel |
Manche sagen, je älter man wird, um so schneller vergeht einem die Zeit. Das kann nur einer sagen, der es so empfindet. Und für ihn mag das ja auch stimmen.
„Ich habe jetzt viel Zeit! – Ich habe überhaupt keine Zeit“. Das sind so entgegengesetzte Aussprüche und Situationen, die man immer wieder antrifft. Wobei der Ausspruch: „Ich habe keine Zeit“ letzten Endes auf gut Deutsch heiβt „Alles andere ist mir wichtiger“.
Vor kurzem las ich, dass Martin Luther eine Art Kinderbibel angefertigt hatte, die sogar gedruckt wurde. Aber sie kam nicht zur Verbreitung. Da meinte ein Forscher: Die Zeit war nicht reif dafür. Alles hat eben seine Zeit. Oder man hört sagen: „Die Zeit vergeht so langsam.“ Das empfindet vor allem jemand, der krank ist und Schmerzen hat.
Und dann sagt die Bibel: “Meine Zeit steht in deinen Händen“.
Das heiβt: für unsere Zeit garantiert jemand. Diese Sorge ist uns abgenommen. Aber das bringt auch die Verantwortung mit sich, wie wir mit dieser Zeit umgehen, was wir aus dieser Zeit machen. Zeit ist kostbar, ja man sagt ja sogar: “Zeit ist Geld“. Da geht jemand in Pension und schwärmt: „Jetzt kann ich meine Zeit verbrauchen, wie ich will! Jetzt bestimme ich meinen Terminkalender. Jetzt kann ich mal so richtig faulenzen“. Aber ehe er es sich versieht hat er schon wieder hundert andere Sachen zu tun, an die er vorher gar nicht gedacht hat.
Meine Zeit steht in deinen Händen
Wenn das so ist, dann darf und kann ich meine Zeit aus Gottes Hand annehmen. Ich bin weder zu früh noch zu spät geboren. Nein, es ist genau richtig so, Gott will, dass ich heute lebe, in dieser Zeit, wie sie ist, mit ihren Vor- und Nachteilen!
Gott weiß das, es ist alles unter Seiner Kontrolle, auch meine Lebenszeit.
Der Mensch im Alten Testament begreift seine Zeit als von Gott geschenkte Zeit: „Alle Zeiten meines Lebens sind in d e i n e r H a n d “ . D e s h a l b kann er auch unterschiedliche Lebensphasen und Situationen aus Gottes Hand nehmen. Ein zentraler Text dazu findet sich in der Bibel:
„Ein jegliches Ding hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit“.
Wenn Menschen Zeit als ein Geschenk Gottes ansehen, bleibt die Frage: Wie gehe ich mit diesem Geschenk um? Wenn Gott mein Schöpfer ist und mir Lebenszeit schenkt, dann ist klar: Meine Zeitplanung kann sich nicht nur um mich selbst drehen. Es geht nicht nur um meine Agenda – so gut diese auch gemeint sein mag.
Am Beispiel Jesu lässt sich viel über den gelassenen Umgang mit der Zeit lernen.
Obwohl Jesus Gottes Sohn ist, braucht er Zeiten der Ruhe und der Gemeinschaft mit seinem Vater. Aus diesen Zeiten erwächst letztlich Jesu Gelassenheit. Jesus wendet das Gebet von Psalm 31 praktisch an:
„Meine Zeit steht in deinen Händen“
Seine Zukunft vertrauensvoll in Gottes Hand zu legen ist eines der bedeutendsten Themen der Bibel.
Meine Erwartungen an die Zukunft bestimmen mein Verhalten in der Gegenwart.
Der Blick auf die Zukunft, auf Gottes Ewigkeit, rückt die Perspektive auf meine Zeit und mein Leben gerade. Ich muss nicht alles in diese 70 oder 80 Jahre pressen, die mir hier auf der Erde vergönnt sind. Ich habe eine Ewigkeit lang Zeit, das Leben zu ergreifen. Das kann mich gelassen machen.
Wenn ich Gott als den Schöpfer meines Lebens weiβ, dann erkenne ich, dass meine Zeit geschenkte Zeit ist. Das heißt, ich muss sie nicht horten und krampfhaft festhalten. Ich darf sie verschenken, an mich, an andere und nicht zuletzt an den, der sie mir geschenkt hat: an Gott. Aus dieser Gelassenheit heraus darf ich die geschenkte Zeit gestalten und verwalten – und zwar heute. Denn ich weiß, dass Vergangenheit und Zukunft in Gottes Hand liegen. Und heute und hier ist er da und will mir helfen, meine Zeit und mein Leben so zu gestalten, dass ich für mich persönlich sagen kann: „Meine Zeit steht in Gottes Händen“. Was kann uns fehlen? „Solange wir leben, ist Gott bei uns, und wenn wir sterben, sind wir bei ihm.“ Deshalb können wir nur singen: „Diesen Tag, Herr, leg ich zurück in deine Hände, denn du gabst ihn mir. Du, Herr, bist doch der Zeiten Ursprung und ihr Ende, ich vertraue dir.“

Pfarrer Martin Hiltel