Brot schmeckt jedem. Men-schen haben es vor langer Zeit erfunden und bis heute wird es überall auf der Welt gebacken. Brot ist ein Lebensmittel, das Menschen satt macht, wenn sie Hunger haben. Aber mehr als das: Brot ist eine Gabe von Gott. Einige Menschen zeichnen mit dem Brotmesser ein Kreuz über dem Brot, bevor sie es anschneiden. Diese schöne symbolische Geste zeigt, dass es nicht einfach vom Bäcker kommt, sondern von Gott selbst. Dafür können wir dankbar sein.
Allein in Deutschland gibt es etwa 600 verschiedene Brotsorten. Aber im Laufe der Jahre habe ich festgestellt: Nichts schmeckt so gut wie das Brot aus meiner Kindheit. Früher, bei uns zu Hause, hat meine Mutter jede Woche drei große Brote im Holzbackofen gebacken. Es machte ihr viel Arbeit, den Teig vorzubereiten, ihn kräftigt zu kneten und dann noch den großen Backofen mit Brennholz aufzuheizen. Aber wenn sie die fertigen Brote rausholte, duftete es wunderbar! Ich konnte kaum darauf warten, bis ich meine Scheibe frisches Brot mit Butter oder „Kässchmier“ und Honig bekam. Ja, dieses Brot schmeckte immer besonders und so war das Essen mit Freude verbunden.
Als ich Erwachsen wurde und das Haus meiner Eltern verlassen musste, habe ich meine Mutter mal gebeten, mir das Brotrezept aufzuschreiben. Diesen alten Zettel mit ihrer zittrigen Handschrift besitze ich immer noch. Später konnte ich mein Brot alleine backen, aber nie hat es so gut geschmeckt wie zu Hause, als meine Mutter noch bei uns war.
Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“ (Johannes 6, 35) Das kann bedeuten: „Ich gebe dir, was du zum Leben brauchst, wie deine Mutter dir damals gegeben hat, was du zum Leben brauchtest.“
Damit verbinde ich das Abendmahl: Es ist ein Vorgeschmack auf das, was auf uns bei Gott erwartet, wo wir das große und ewige Fest in der Gemeinschaft der Erlösten feiern werden. Dann werden wir alle wieder zusammen sein, vereint von und bei Gott, und das Brot des Lebens wird so gut schmecken wie nie zuvor. Ja, wir dürfen jetzt schon das Abendmahl gemeinsam feiern, uns dadurch stärken lassen und daran vertrauen, dass wir auch in der Ewigkeit das Brot teilen dürfen. Dann wird es wohl so sein, wie das Brot zu Hause zu essen, in der großen Familie der Kinder Gottes.
Pfarrer Johannes Friedrich meint dazu: In Brot und Wein kommt Gott heute zu uns. Ganz konkret, leiblich, in dem, was wir zum Leben brauchen. So lebenswichtig wie das Brot ist seine Liebe für uns. Wenn wir im Abendmahl gemeinsam das Brot brechen, dann ist das mehr als ein Zeichen. Weil sich Jesus Christus uns im Brot schenkt, können wir über unsere Grenzen hinweg Brot für einander werden: wenn wir Gemeinschaft haben, uns von unserer Freude und unseren Sorgen erzählen und aneinander Anteil nehmen.
Das Brot lässt uns an das Säen, Wachsen und Ernten denken. Wenn wir es in Gemeinschaft mit anderen essen, haben wir Freude miteinander und denken auch an die Menschen, die kein Brot zu essen haben. Brot beseitigt nicht nur den Hunger unseres Körpers, sondern sättigt auch unsere Seele. Brot hilft uns zu leben und bedeutet selbst Leben.
Jesus sagt auch: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Matthäus 4,4). Gott ernährt uns also auch durch sein Wort, das in der Bibel zu finden ist. Dieses Brot brauchen wir auch. Heinrich Bücker erzählt eine Geschichte dazu:
In einem Land waren die Christen streng verfolgt. Es war sehr gefährlich, eine Bibel zu besitzen. Wenn die Polizei kam und die Heilige Schrift fand, da mussten die Menschen mit dem Gefängnis rechnen. Die Familie einer frommen Frau konnte sich von der Bibel aber nicht trennen. Es war für sie wie das tägliche Brot, ohne das man nicht leben kann. Eines Tages aber kamen die Polizisten. Die Mutter hatte es gemerkt, als sie durchs Fenster schaute und zwei fremde Herren sah.
Die Frau war gerade dabei, ein Brot zu backen. Der Teig lag ausgerollt auf dem Tisch. Ganz schnell nahm sie die Bibel, rollte sie in den Brotteig ein und schob alles in den Backofen. Die Polizisten durchsuchten das Haus ganz genau, fanden die Heilige
Schrift aber nicht. Als am nächsten Tag das Brot auf dem Tisch lag und die Bibel in der Mitte heil und unbeschädigt zu sehen war, hatte jeder verstanden: Die Bibel ist Brot zum Leben.
Wie das tägliche Brot den Menschen nährt, so ist auch Gottes Wort, täglich gelesen, Kraft für ein Leben mit Gott und mit unserem Nächsten.
Herr, gib uns unser tägliches Brot. Wir loben dich und danken dir. Aus deiner Liebe leben wir.