Es gibt vielerlei Brücken, vielleicht auch in Ihrer Nähe: Aus Holz, Stein oder Metall, alt oder neu. Brücken strecken sich als Verbindungswege über Flüsse, Täler oder Straßen und vereinen Menschen, Landschaften, Kulturen.
Brücken überwinden Grenzen und führen zusammen. Sie machen Verbindungen möglich, wo vorher keine waren. Brücken können auch symbolisch verstanden werden. Auch wenn das Wort „Brücke“ nirgends in der Bibel vorkommt, so ist sie doch voll von Brückenbau-Geschichten: Jakob und Esau, die sich die Hände reichen; die Regenbogenbrücke, die Gott zur Erde hin baut; die offenen Arme im Gleichnis vom barmherzigen Vater. Auch das Gebet ist eine große, unsichtbare Verbindungs- Brücke zwischen Menschen und Gott.
Aber Brücken entstehen nicht von selbst: Man muss sie planen und bauen, sonst bleiben Menschen getrennt, Völker einander fremd und ganze neue Möglichkeiten unbekannt. In den Worten von Pfarrer Michael Thein, Brücken sind auch die Orte mit offenen Türen, wo Menschen willkommen sind. Brücken, das sind auch die Wege der Kommunikation, der begegnung: Die Füße, die aufeinander zugehen; die Hände, die man sich reicht; die Augen, die sich treffen; die Ohren, die man einander leiht; der Mund, der ein Lächeln übrig hat; das gesprochene Wort von Mensch zu Mensch.
Wir müssen die Brücke aber wollen und jederPfeiler muss gesetzt werden. Ganz langsam wächst sie dann, die Brücke der Verständigung, der Achtung voreinander, die Brücke des Friedens. Wir können die Brücken bauen zwischen den Menschen in einer Gemeinde: zwischen den Alten und den Jungen, diemiteinander im selben Gottesdienst sitzen; zwischen der Kirchengemeinde und denen, die sich von ihr gelöst haben.
Brücken bauen auch zwischen Gemeinden: einer den anderen einladen, die Gaben anderer erkennen und nicht alles selbst machen wollen. Brücken werden manchmal wackelig oder stürzen ein – das kann auch mit Beziehungen zwischen Menschen passieren. Viele mache
n dieErfahrung, dass Freundschaften zerbrechen, dass Mitglieder der Familie oder der Gemeinde sich streiten, dass Schuld und Leid entstehen – so werden Brücken zerstört. Aber sie können wieder aufgebaut werden! Der erste Schritt zur Versöhnung ist die Vergebung. Die Hand zur Versöhnung reichen, einen Schritt auf den anderen zugehen, ihm ein freundliches Wort zusprechen. Diese Brücke überbrückt tiefe Gräben und bringt Menschen wieder zusammen.
Jesus selbst ist diesen Weg der Versöhnung für uns gegangen. Er hat eine Verbindung zwischen Gott und den Menschen geschaffen, wo keine mehr war. Auf dem tragfähigen Grund dieser Brücke, die Christus gebaut hat, lasst uns weitermachen: Brücken bauen von Mensch zu Mensch, da wo wir uns befinden.
Ich möchte gerne Brücken bauen, wo alle tiefe Gräben sehn.
Ich möchte hinter Zäune schauen und über hohe Mauern gehen.
Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen, gib mir den Mut zum ersten Schritt.
Lass mich auf Deine Brücke trauen, und wenn ich gehe, geh du mit.
(Lied von K.Rommel)