Als Kinder beten wir: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!“. Dieser Vers meint allerdings nicht den blauen Himmel über uns, wo die Wolken schweben. Das wäre wohl ein Irrtum, denn dieser atmosphärische Himmel ist nur ein Teil der Schöpfung und darum vergänglich wie die Erde, die Sonne und der Mond. Das Kindergebet meint den unsichtbaren Himmel, in dem Gott mit seinen Engeln wohnt.
So ist auch die Himmelfahrt Christi zu verstehen: Er wurde von Gott „aufgehoben“ in sein himmlisches Reich. So hoffen wir Christen, dass auch unsere Verstorbenen und wir selbst dort einmal geborgen sein werden.
“Der Tod gehört zum Leben” – aber wer macht sich heutzutage schon Gedanken um das eigene Ende auf der Erde? Der Alltag vieler Menschen ist von Arbeit geprägt, von der Suche nach Erfolg, Geld und gutem Aussehen. Wie können Themen wie „Tod“ und „Himmel“ wieder präsent gemacht werden?
Das will eine Aktion vom deutschen Bestatter Fritz Roth zeigen.
„Das letzte Hemd hat keine Taschen“, so besagt ein bekanntes Sprichwort. Aber stellen Sie sich einmal vor, wenn Sie sterben, könnten Sie einen Koffer mitnehmen. Was würden Sie in diesen Koffer für die letzte Reise aus diesem Leben einpacken? Sie denken vielleicht: „Auf diese ‚Reise‘ nimmt man doch kein Gepäck mit, und schon gar keinen Koffer!“. Dennoch hatte Fritz Roth genau diese Idee gehabt. Roth begleitete beruflich viele Menschen durch ihren Trauerweg und merkte dabei immer wieder, dass sich nur wenige Personen Gedanken über ihren eigenen Tod machen. Die meisten denken: „Warum soll ich mich um mein Tod sorgen, wenn ich genug im Leben zu tun habe?“
Roth hat nun in seiner Idee 100 kleine, leere Koffer an 100 Menschen geschickt. Die Empfänger waren Frauen und Männer, alt und jung, Künstler und Handwerker, berühmte und unbekannte Personen. Die Gepäckstücke waren alle gleich, 35 mal 55 Zentimeter groß und drinnen war ein Zettel mit der Frage: „Was würden sie auf der letzten Reise aus diesem Leben mitnehmen?“
Nach zwei Monaten wurden die Koffer wieder eingesammelt. Seitdem sind sie in verschiedene Museen zu sehen. Die Besucher sind eingeladen, sich Gedanken über den Tod und das Sterben zu machen, über die Endlichkeit jeden Lebens. Aber was haben nun diese 100 Menschen eingepackt? Die Inhalte der Koffer sind so vielfältig wie die Menschen und ihre Biografien, ihre Träume und wie sie die Welt anschauen: persönlich, kurios, künstlerisch, humoristisch, gläubig, symbolisch.
In den Koffern waren zum Bei- spiel Fotos, Bücher, Kerzen, Briefe, Spiegel, Äpfel, Wein, CDs, Bibeln, Nudeln, Buntstifte, oder einfach ein Stück Papier mit den Worten „Nichts“, „Entschuldigung“ oder „Liebe“ zu sehen. Manche haben ihren Koffer einfach leer zurückgegeben und meinten: „Ich hoffe, dort im Himmel als Gast aufgenommen zu werden, dem alles Notwendige gegeben wird.“
Stimmt, wirklich mitnehmen kann man nichts, es kann meiner Meinung nach also nur um Symbole gehen. Ich finde aber den Gedanken spannend, selber einen solchen Koffer zu packen und sich die Fragen zu stellen: „Was ist in meinem Leben wirklich wichtig? Menschen, Sachen, Erinnerungen, Wünsche? Was verbleibt wenn ich gehe?“
Sich mit dem Tod zu konfrontieren ist nicht leicht, sei es mit dem eigenen oder mit dem eines geliebten Menschen. Aber in den heutigen Tagen besteht ein Bedürfnis, „natürlich“ mit dem Thema Tod umzugehen. Da die Gesellschaft kaum noch einen Raum dafür anbietet, sind kirchliche Gemeinden der Ort, wo man offen damit umgehen kann, darüber reden kann, wo die Fragen, Ängste und Vorstellungen der Menschen ernst genommen werden. Den Trauernden sollen Gespräche helfen, wieder in Kontakt mit sich selbst und anderen zu kommen, auch in Gottesdiensten und Gruppen, die besonders für sie bestimmt sind.
Auch die christliche Bestattung ist ein wesentliches Geschehen des Gemeindelebens. Es ist ein religiöses Ritual, nicht eine „Reise“ ins Jenseits. Die Beerdigung ist eine Übergabe. Der Verstorbene wird in die Hände Gottes gelegt und Gottes Gnade anvertraut. Es ist ein Übergang von diesem Leben ins ewige Leben, gemäß dem Wort Jesu: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Johannes 11,25).
Gott steht uns bei, auch in unserer letzten Stunde. Beim „letzten Koffer“ – was ich aus diesem Leben mitnehmen und was ich im Herzen meiner Mitmenschen hinterlasse – da bin alleine ich gefragt. Dieser „Koffer“ trägt die Handschrift meines Lebens und liegt in Gottes gnädigen Händen.