Zu dieser Advents- und Weihnachtszeit möchte ich gerne diese Geschichte wiedergeben, gekürzt aus dem Buch „Die vier Lichter des Hirten Simon“, von Gerda Marie Scheidl und Marcus Pfister:
Der kleine Hirte Simon hatte ein kleines Lamm. Aber es ging eines Tages verloren. Simon wollte sich auf die Suche nach dem Lamm machen, aber es war bereits dunkel.
Der Hirte Jakob machte sich Sorgen, Simon ganz alleine gehen zu lassen. So ging er in seine Kammer und holte die Laterne mit den vier Kerzen, die er einst von einem Wanderer bekommen hatte mit den Worten: „Sie werden dem im Dunkeln leuchten, der in Not ist.“
Nun gab Jakob die Laterne an Simon weiter und sagte: „Pass gut auf die vier Lichter auf, dann werden sie dir auf dem Weg leuchten.“
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Lieber Jesus: Wir bitten dich an diesem Weihnachten, dass du uns heilst, dass du uns hilfst, dass du neu in uns geboren wirst. |
Simon nahm die Laterne mit den vier Lichtern und in seinen Händen leuchtete sie auf, und Simon machte sich auf den Weg. Die ganze Nacht und den ganzen Tag hatte Simon die Hügel abgesucht, aber keine Spur von seinem Lamm entdeckt. Schon ging die Sonne wieder unter. Sollte er überhaupt noch weitersuchen? War nicht alles sinnlos? Doch – regte sich da nicht etwas hinter dem Felsen? War es sein Lamm? „Lamm, kleines Lamm, komm!“, rief Simon.
„Ho“, brummte eine tiefe Männerstimme. „Was suchst du? Ein Lamm?“ Vor ihm stand ein großer Mann. Simon erschrak. Er wollte davonlaufen.
„Vor mir brauchst du nicht davonzulaufen“, sagte der Mann. „Doch wenn du dein Lamm suchst, findest du es im Olivenhain hinter jenem Felsen. Ich habe es gesehen.“
„Du hast mein Lamm gefunden! Danke! Kann ich dir irgendwie helfen?”
„Helfen? Mir kann niemand helfen. Mein Weg ist im Dunkeln“, sagte der Mann leise.
Simon hielt dem Mann eines seiner Lichter hin. „Hier, nimm es. Es wird deinen Weg erhellen. Was soll ich mit vier Lichtern, wenn du keines hast. Drei Lichter sind genug für mich.“
„Du bist der erste Mensch, der freundlich zu mir ist. Danke, mein Junge!“ sagte der Mann, und im Weggehen flüsterte er vor sich hin: „Dabei bin ich ein Dieb!“
Simon ging weiter, sein Lamm zu suchen. Dort, in der Höhle, regte sich etwas. Simon rannte hin. War es sein Lamm? Nein, es war ein Wolf! Der Wolf leckte seine Pfote. Da erst sah Simon eine blutende Wunde. Alle Angst war verflogen. Schnell riss er ein Stück Stoff von seinem Mantel ab und verband vorsichtig die Wunde. Simon stand auf, um weiterzugehen und sein Lamm zu suchen. Doch der Wolf zog an seinem Mantel und sah ihn an.
„Ich soll bei dir blei- ben? Ist es das, was du sagen möchtest?“ Simon streichelte den Wolf. „Das kann ich nicht. Ich muss das Lamm suchen. Vielleicht braucht es meine Hilfe, wie du.“
Nach kurzem Überlegen stellte er eines der Lichter neben den Wolf. „Hier, Wolf, hast du ein Licht. Es wird dich wärmen. Zwei Lichter sind genug für mich. Jakob wird das verstehen.“ Dankbar blickte der Wolf ihm nach.
Bei Tagesanbruch kam Simon in eine kleine Stadt an. Ein Bettler rief ihm zu: „Eine Gabe, eine kleine Gabe!“. „Ich habe doch selber nichts“, sagte Simon. „Ich bin nur der Hirte Simon und habe mein Lamm verloren. Hast du es vielleicht gesehen?“ „O nein! Ich sehe nur Hunger und Not“, antwortete der Alte. „Ich lebe draußen in einer finsteren, kalten Grotte.“
„Nimm wenigstens dieses Licht von mir“, sagte Simon. „Es wird dir etwas Wärme und Licht geben.“ Der Alte nahm das Licht und stand auf. „Danke! Hoffentlich findest du bald dein Lamm.“ Und jeder ging seinen Weg.
Simon hatte im Städtchen herumgefragt. Vergeblich. Keiner hatte sein Lamm gesehen. Er war entmutigt. Sein letztes Licht leuchtete auch nur noch schwach. Als die Nacht hereinbrach, setzte er sich draußen vor der Stadt müde an den Wegrand.
Da entdeckte er Licht in einem Stall. Er ging darauf zu und trat ein. Simon konnte kaum etwas erkennen. Er blieb stehen. Da schimmerte etwas weiß im Halbdunkel. Es war sein Lamm! Sein verlorenes Lamm!
„Tritt näher“, sagte eine freundliche Stimme. Simon konnte nicht antworten. Er war so glücklich. Dann sah er das Jesuskind. Es lag auf Stroh ganz dicht bei seinem Lamm! Simon kniete nieder und schenkte dem Kind sein letztes kleines Licht. Nur noch schwach glühte die Flamme. Doch seltsam! Wie von unsichtbarer Hand entzündet, flammte das Licht auf. Sein Leuchten breitete sich aus und erfüllte den ärmlichen Raum mit festlichem Glanz.
Am Himmel strahlten die Sterne heller und heller, weit hinaus bis zu den Hirten auf dem Feld.
Lieber Jesus: In dieser Weihnachtszeit scheint deine Welt ein wenig dunkler zu sein. Aber du bist in das Dunkel der damaligen Welt gekommen. Wirst du auch in unser Dunkel kommen? Wir suchen – wie die weisen Männer – einen Stern. Wir knien – wie die Hirten – an deiner Krippe. Wir bitten dich an diesem Weihnachten, dass du uns heilst, dass du uns hilfst, dass du neu in uns geboren wirst. Amen.
Gebet von Max Lucado

Pfarrer Jaime Jung