Für mich als Kind waren das Beste in der Schule immer die Ferien. Und doch ging ich dann wieder gern zur Schule. Nicht jeder kann Ferien oder Urlaub machen. Wer es aber kann, der soll es tun.
Ich denke da an die Bauern. Wann kann ein Bauer schon Ferien machen? Er muss das Vieh versorgen und die Kühe melken. Ja, und im Sommer ist die Tabak- und Reisernte. Die Ferien sind gesetzlich geschützt, aber nur für die, die angestellt sind.
Als Pfarrvertreter konnte ich nie und als junger Pfarrer nur selten in Ferien gehen. Es gab keine Vetretung. Als aber der methodistische Pfarrer in Cachoeira mir anbot, dass wir uns in den Ferien gegeseitig vertreten sollten, konnte ich 15 Tage Urlaub machen.
Der Körper braucht eine Ruhezeit: Abendruhe, Sonntagsruhe und Jahresruhe. Und diese Zeit braucht der Geist, um sich zu besinnen, um mit sich ins Reine zu kommen und aufzuladen. Raus aus Verantwortung und Stress. Ein anderes Leben. Mehr für die Kinder dasein und Zeit haben für Natur und Freunde.
Im Buch „Ferien vom Ich“ lädt ein Urlaubshotel ein, den Namen abzulegen und unter einem anderen Namen mal ein ganz anderer zu sein. Es ist interessant, wie in dem Buch die verschiedenen Personen aufleben und sich entwickeln. Ist das nicht wie Karneval? Von allem Unfug abgesehen, hat Karneval diese psychologische Komponente. Jeder ist mal ein anderer. Ein kleiner Angestellter ist ein Pirat, ein ernster Buchhalter ein Pierrot und eine kleine Schneiderin eine Prinzessin. Ja, einmal ein ganz anderer sein, wie herrlich!
In der Novelle „Ferien vom Du“ schreibt Josef Ponten die Geschichte eines Ehepaares, in dem mit der Zeit einer des anderen überdrüssig wurde. Es kam zur Überempfindlichkeit und zum Arbeitsstress. Da beschlossen sie, dass jeder allein in einem anderen Ort Urlaub machen sollte. Zeit zur Ruhe und zur Besinnung. Und das Wunder geschah. Am Ende des Urlaubs hatte jeder Sehnsucht nach dem Anderen.
Die ersten 15 Tage Ferien in Tramandaí haben wir der Freundlichkeit der Freundin Wanda Bergmann zu verdanken, die uns unentgeltlich in Tramandai ein Ferienhäuschen anbot. Aus Dankbarkeit hielt ich auch Gottesdienste in der neuen Kirche.
Als ich einer Bekannten am Strand begegnete, von der ich wusste,dass sie sonntags immer den Gottesdienst besuchte, lud ich sie zum Gottesdienst ein. Zuerst zögerte sie etwas, aber dann sagte sie mir ganz offen:- Nein. Ich bin doch hier in Ferien.
Be-troffen sah ich sie an. Dann fragte ich:- Meinen Sie, dass Gott auch Ferien macht?
Nachdenklich ging ich nach Hause. Aber die Frage ging mir nach: Macht Gott Ferien?
Wir wissen, dass Gott am 7. Tag ruhte (l. Mose 2:2). So ist der 7. Tag auch für die Menschen ein Ruhetag. Im Alten Testament ist der Ruhetag der Sabbat, der heilige Tag der ersten Schöpfung. Im Neuen Testament ist es später der Sonntag, der Tag der Auferstehung Jesu und damit der heilige Tag der neuen Schöpfung.
Aber macht Gott Ferien? Die Bibel sagt, dass er manchmal ein verborgener Gott ist. Wir meinen dann, Ihn nicht finden zu können. Und wie oft hören wir die Frage:- Wo war Gott, als ich krank war? Wo war Gott, als der Krieg ausbrach? Wo war Gott in Auschwitz? Das sind schwere Fragen, ja sogar schwere Vorwürfe. Aber ist Gott verantwortlich für menschliche Fehler und Vergehen?
Ist Gott verantwortlich, wenn der Mensch mit seinem Körper oft Raubbau treibt? Oder wenn Firmen des Gewinnes wegen ungesunde Lebensmittel auf den Markt bringen?
Ist Gott verantwortlich, wenn der Mensch den Menschen und seine Würde verachtet und sich dem Bösen verschreibt, sodass es bis zur letzten Neige Triumphe feiert?
Ein Jude, der dem Ghetto von Warschau im Krieg nur mit Not entrinnen konnte,wurde vom deutschen Fernsehen gefragt: -Glauben Sie an Gott?- Er verneinte es. Ich hätte ihn gefragt: -Glauben Sie an das Böse?- Das hätte er bestimmt nicht verneint. Bonhoeffer gibt uns von Gottes Zuspruch in der äuβersten Not ein lebendiges Zeugnis! Und haben Juden und Christen nicht in groβer Not gleichfalls Gottes Zuspruch erfahren?
Ja, Gott ruhte am 7. Tag. Er vergaβ aber nicht seine Schöpfung. Wir meinen Ihn oft nicht finden zu können, und dennoch leitet uns seine gütige Hand. Sagt nicht Jesus (Matthäus
28:20) „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende?“
Und wegen des Auftrages Jesu, das Wort dort zu predigen, wo die Menschen sich aufhalten, wo sie hinziehen und Arbeit suchen, oder wo sie hingehen, um auszuruhen, begleitet die Kirche die Menschen in den Urwald oder in den Ferien zum Strand.
So ist also der Gottesdienstbesuch am Strande nicht sosehr eine Pflicht als vielmehr ein Geschenk, eine Möglichkeit für alle, die zu Hause oft nicht die Möglichkeit haben, regelmäβig das Wort Gottes zu hören. Jesus sagt (Lukas 11:28) „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren“.
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Pfarrer Kurt Benno Eckert |