Eines Nachts brach in einem Haus ein großer Brand aus. Während die Flammen immer höher brannten, flüchteten die Eltern und Kinder aus dem Haus. Sie waren erschrocken und sahen zu, wie das Feuer ihr Haus vernichtete.
Plötzlich bemerkten sie, dass der jüngste Sohn fehlte, ein fünfjähriger Junge. Er bekam wohl Angst vor den Flammen und dem Rauch und kletterte in den oberen Stock. Und jetzt? Vater und Mutter schauten einander an. Sie hatten große Angst um ihren kleinen Sohn! Aber es gab keine Möglichkeit mehr, in das brennende Haus zu gelangen. Dann öffnete sich oben ein Fenster. Es war der Junge und er rief um Hilfe. Sein Vater sah es und schrie ihm zu: „Spring!“
Der Junge sah nur Rauch und Feuer. Er hörte aber die Stimme seines Vaters und antwortete: „Vater, ich sehe Dich nicht!“ Der Vater rief ihm zu: „Hab´ keine Angst mein Sohn! Du siehst mich nicht, aber ich sehe Dich und das genügt. Spring! Ich fange dich hier unten auf.“
So sprang das Kind aus dem Fenster. Unten hatte ihn dann sein Vater in seinen Armen fest aufgefangen und beide waren sehr froh darüber.
Diese Geschichte hat der Theologe Werner Forneberg erzählt und er schreibt dazu noch Folgendes:
„Eines der schönsten und wertvollsten Geschenke, die wir unseren Kindern machen können ist, ihnen unser Vertrauen zu schenken. Dabei muss die Betonung auf „schenken“ liegen.
Das Vertrauen wird geschenkt, unsere Kinder müssen es sich nicht erst verdienen. Wir sprechen oft von der Liebe, die unsere Kinder und Enkelkinder benötigen. Das Vertrauen ist eine der praktischen Ausdrucksformen der Liebe im Alltag. Ein Kind kann wenig damit anfangen, wenn wir immer wieder betonen, es zu lieben, ihm aber in den Situationen des Alltags nicht vertrauen.
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Wir dürfen Gott als Vater ansprechen und ihm vertrauen |
Vertrauen ist die Brücke zwischen den Eltern und ihren Kindern. Vertrauen ist die Basis, die offene Gespräche ermöglicht. Vertrauen ist die Basis, auf der das Selbstbewusstsein der Kinder wachsen kann, weil sie wissen da ist jemand, der steht zu mir, der hält zu mir, der hilft mir, dem kann ich alles sagen.
Dieses gewachsene Vertrauen lässt in unserer Geschichte auch den Jungen, der seinen Vater bei dem Brand nicht sehen kann, im Vertrauen auf seinen Vater springen. Er vertraut sein Leben seinem Vater an.“
So können auch wir dem lieben Vater im Himmel vertrauen. Er ist immer für uns da, wenn wir ihn brauchen. Auch in der Stille, auch wenn wir ihn nicht sehen können, auch wenn das Leben schwierig ist und wir denken, Er hätte uns vergessen.
Gott zu vertrauen bedeutet, ihm alles zu sagen und im Herzen zu wissen, dass er es gut mit uns und mit den Anderen meint. Selbst dann, wenn alles hoffnungslos e rscheint.
Ab e r in ganz alltäglichen Dingen machen wir vieles aus eigener Kraft und bitten Gott erst dann um Hilfe, wenn wir selbst nicht weiter wissen. Vieles können wir im Leben nicht verstehen. Wie sollen wir uns verhalten, wenn sich Gottes Wille nicht mit unseren Wünschen zusammenführen lässt? Auch dann können wir vertrauen und alles auf Gott legen, noch bevor wir damit anfangen, etwas zu tun.
Vertrauen heißt, aus ganzen Herzen zu sagen: „Vater, dein Wille geschehe! Ich weiß, dass du mich lieb hast und meine Schritte lenkst.“ In der Offenbarung (Off. 21, 4) heißt es: „Er wird jede Träne von den Augen wischen, der Tod wird nicht mehr sein, noch Leiden, noch Jammer, noch Mühsal, denn siehe, ich mache alles neu.“
Glauben heißt vertrauen. „Ich glaube“ heißt: ich verlasse mich darauf, ich vertraue auf Gott, wie einem guten Freund. Wir dürfen Gott sagen: „Vater, was auch immer geschehe, lass mich nicht aus dem Vertrauen auf Dich fallen!“ Vertrauen wir auf Gottes Nähe und legen unser Leben in Gottes Hand!
Spuren im Sand
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
dass an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
dass in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“
Da antwortete er: „Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen.“
(Margaret F. Powers)

Pfarrer
Jaime Jung