Ich bitte Sie, sich ein wunderschönes Mosaikbild vorzustellen, mit farbigen und bunten Steinchen. Ein Meisterwerk. Verweilen Sie eine zeitlang bei diesem Bild.
Nun bitte ich Sie, sich ein anderes Mosaik vorzustellen, in dem noch verschiedene Teile fehlen, oder wo Teile
sogar falsch eingesetzt sind.
Das „Meisterwerk“ ist unser Leben. Erdacht und erschaffen von unserem Gott, nach seinem Ebenbild. Keine Kopien, keine Nachahmungen – lauter Originale. Gott ist originell und einmalig, das sehen wir ja in seiner Schöpfung.
Wir merken jedoch immer wieder schmerzlich: was wir Menschlein in die Hände kriegen, bleibt letztens immer Stückwerk. Wir kriegen es einfach nicht hin!
Jemand hat mal gesagt: „vor jedem steht ein Bild dessen, was er werden soll, solang er das nicht ist, ist nicht sein Friede voll.“ Spüren wir das nicht oft? Ersehnen wir das nicht immer wieder? Stoβen wir nicht immer wieder an unsere Grenzen und Unzulänglichkeiten? An unerfüllte Träume, deren Erfüllung wir selbst oder andere verhindert haben? Und das tut weh. Und dann sagen wir: Warum? Hätte ich doch… Warum wurde dieser Weg durchkreuzt? Warum hab ich mir das nur „vermasselt“. Warum hab ich mir da drein reden lassen und nicht auf die Stimme meines Herzens gehört? Warum habe ich nicht auf Gottes Stimme gehört?
Wagen Sie bitte, obwohl es schmerzen kann, an leere Stellen in ihrem Lebensbild zu denken. Geben Sie diesen einen Namen – der Tod oder die Krankheit eines geliebten Menschen, eine eigene Schwäche, eine Unterlassung die Folgen hatte, eine Wahl die sich als Irrtum erwiesen hat, ein Nein oder ein Ja mit schlimmen Folgen, Fehlentscheidungen, eigene oder anderer.
Sehen Sie aber auch auf die Möglichkeiten und Chancen, die immer wieder und noch auf Sie warten, Hoffnung und Lebensenergie wecken, neuen Mut machen. Ein Mosaiksteinchen, das Sie schon in der Hand haben und mit Freude ins Mosaik des Lebens einsetzen wollen. Vielleicht die Geburt eines Kindes, eine Liebe, die Erfüllung eines langen Wunsches, das Erlernen einer Fähigkeit von der Sie meinten, dass Sie das nie fertig bringen würden…Oder einfach nur die Kraft durchzuhalten!
Nehmen Sie sich Zeit. Reden Sie mit „jeder Lücke“ im Mosaik ihres Lebens. Sie können es alleine tun oder mit einem Menschen, dem Sie vertrauen. Meinen Sie vielleicht, als alter Mensch fänden sich keine Steinchen mehr, nur weil die Augen trübe und die Hände zittrig geworden sind? Oder dass Kinderhände zu fahrig sind, solche Teile zu finden? Oder dass Sie absolut keine Zeit haben und Ihr Lebensbild Ihnen im Stress entgleitet?
Das Leben ist lebenswert solange wir das ersehnte Meisterwerk vor uns sehen, trotz der leeren Stellen. Gott, unser Meister, arbeitet an uns in jedem Lebensalter und in jeder Lebenslage. Und ganz besonders soll es dem Leben mehr Farbe und Licht geben, so wie ein Bild einen kahlen Raum froh und licht macht.
Manche Menschen haben nicht den Mut, ihr Stückwerk vorzuzeigen. Sie wollen es erst fehlerlos und perfekt machen. Solche Menschen leiden. Wir alle sehnen uns nach Vollkommenheit. Der Apostel Paulus wusste das schon, als er sagte: “…wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.“ (1 Ko 13,10)
Die Einladung heute, liebe LeserInnen, ist, sich am Mosaik des Lebens, des eigenen und dem lieber Menschen, zu freuen. Ja dazu sagen, dass wir alle auf dem Weg sind, dass wir Fehler machen dürfen und werden. Aber dass wir mit Gottes Hilfe immer wieder ein Steinchen finden, das in unser Mosaik passt und wir Schritt für Schritt unserer Ganzheit entgegenwachsen.
Ist das zu hoch gegriffen? Ja, aus unserer Sicht schon. Aber nicht aus Gottes Sicht. Das ist das große Vorrecht der Kinder Gottes, und wir sind dazu berufen etwas zu werden „…zum Lob seiner Herrlichkeit.“ (Eph. 1,12a)
Wir wollen am Bild unseres Lebens arbeiten, es immer wieder unserem Gott hinhalten, demütig und lernbereit. Wir dürfen es auch anderen Menschen zeigen, ohne Komplexe oder falschen Stolz. Wir sollen uns freuen, wo uns etwas gelingt! Haben Sie bei einem 1000 teiligen Puzzle schon einmal ein Teilchen gefunden und „Hurra“ gerufen? Jetzt endlich passt es! Hat lange gedauert! Viele Minderwertigkeitskomplexe müssen nicht sein, wenn wir uns von Herzen freuen über Leistungen und Erfolge, die wir gern mit anderen teilen wollen. Wir wissen ja, wer uns das Wollen und auch das Vollbringen schenkt!
Wir wollen dem Herrn das unfertige Bild immer wieder zeigen, um Weisung und Weisheit bitten und es Ihm am Ende vertrauensvoll in die Hände legen. Er wird das unfertige Mosaik unseres Lebens vollenden. Jesus ist ja der Vollender. Nur ER kann unser Stückwerk in ein Meisterwerk verwandeln! Das macht uns demütig und frei. Und hoffnungsvoll!