Gott gebraucht ein sehr schönes Bild für einen Menschen, der ihm vertraut. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist:
„Gesegnet der Mensch, der sich auf Gott verlässt, dessen Hoffnung auf Gott gründet. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt. Wenn auch die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün. Er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte“ (Jeremia 17, 7+8).
Wie können wir zu einem solchen Menschen werden?
Pfarrer Ralph Uhlig schreibt dazu: Dieser Baum ist ganz nahe am Wasser. Er hat seine Wurzeln hin zum Wasser ausgestreckt, um Nahrung für sich zu holen. Vertrauen zu Gott wächst durch Beziehung zu Gott. Damit unser Vertrauen zu Ihm weiter wächst und stärker wird, braucht es das tägliche Leben mit Ihm im Alltag, im Reden mit ihm, im Hören auf seine Worte in der Bibel. Mit Gott im Alltag zu leben heißt auch, mit anderen Christen in der Gemeinde zusammen zu sein und dort gemeinsam zu loben und mit unseren Gaben mitzuarbeiten.
Wenn wir mit Gott leben, dann können auch Schwierigkeiten kommen und große Nöte. Sie können mit zu unserem Leben gehören. Im Bild vom Baum ist die Rede von Hitze und Trockenheit. Dies können Krankheiten sein, Schwierigkeiten beim Zusammenleben, Arbeitslosigkeit, Probleme in der Familie, Angst, Menschen, die uns verachten, weil wir uns Christen nennen. Aber all diese Dinge werden uns nicht schaden können, wenn wir ganz nahe bei Jesus sind.
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„Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.“ (R.Tagore) |
Genauso wie der Baum, den die Hitze und Trockenheit erreicht. Er bleibt trotzdem grün und trägt Früchte. All die Dinge werden uns nicht schaden und kaputt machen können. Sie werden uns herausfordern, sie werden uns sicherlich wehtun, aber durch unsere Nähe zu Gott können wir getröstet sein, weil wir durch ihn alle Kraft, Geduld, Weisheit und Liebe erhalten, die wir brauchen. Wir sind nicht allein, sondern er ist bei uns, an unserer Seite und geht nicht von uns weg. In Jesaja 40,31 heißt es: „Die auf den Herrn vertrauen kriegen neue Kraft, dass sie auffahren wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“
Wenn Probleme und Nöte euer Leben einmal erreichen, dann setzt euer Vertrauen ganz auf Gott. Sucht und bleibt in seiner Nähe. Lobt und dankt ihm.
Martin Luther hat einmal gesagt: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Mir gefällt dieser Satz , weil darin viel Vertrauen steckt.
Wenn die Rede gerade schon von Bäumen ist, will ich kurz berichten wie ich neulich zu meinen „Wurzeln“ geschaut habe: Mein Urgroßvater war Bauer und wohnte in Rio Grande do Sul. Wie viele andere „Kolonisten“, hat er vor mehr als sechzig Jahren sein Grundstück dort verkauft, ließ alles hinter sich und ist mit seiner Familie nach Santa Catarina umgesiedelt, um ein besseres Leben zu suchen. Ich habe ihn nicht mehr kennen gelernt – nur meinen Großvater, der immer mit Sehnsucht von dem Leben in der „Serra Gaúcha“ erzählt hat. Neulich habe ich mir dann einen alten Wunsch erfüllt, ich habe nämlich den Ort besucht, wo meine Vorfahren im Hinterland von Gramado gewohnt haben. Jetzt lebt da eine mir unbekannte Familie. Aber aus jener Zeit sind noch Ruinen von Steinmauern zu sehen, ebenso einige Bäume. So war meine Freude groß, als ich dort noch einen alten und großen Apfelbaum sah, den mein Urgroßvater in seiner Jugend gepflanzt hat. Ich konnte sogar von den Äpfeln essen, eine ganz alte Sorte. Ob mein Großvater daran gedacht hat, dass auch noch seine Nachkommen die Äpfel genießen würden? Auf jeden Fall war der Baum für mich ein Zeichen der Hoffnung, da er heute noch blüht und Früchte trägt.
“Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen”. Luthers Satz weist darauf hin, dass Vergangenes auch in die Zukunft wirkt. Wäre das nicht ein Wort für uns, wenn wir manchmal den Mut verlieren und denken, dass vieles, was wir tun, sinnlos erscheint? Es kommt immer öfter vor, dass wir in der Welt feststellen müssen, wie viel Not, Gewalt und Einsamkeit uns umgeben. Nicht nur die Natur ist von dem bedenkenlosen Handeln der Menschen bedroht. Auch der Mangel an Verständnis und Nähe zwischen den Menschen bedrohen das Leben. Aber stärker als all das was uns beängstigt und bedroht ist die Verheißung Christi: „Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28, 20)
Auch wenn es in der Welt keinen Grund mehr gäbe, Hoffnung zu haben, können wir fest daran glauben, dass Gott seine Welt nicht vergessen wird. So können wir Zeichen der Liebe und der Hoffnung setzen, da wo Gott uns „gepflanzt“ hat – wir können blühen und Früchte tragen! Darum: heute einen Apfelbaum pflanzen!
Pfarrer Jaime Jung